theaterhagen startet Dreigroschenoper

theaterhagen(TV58.de-Dietmar Laatsch) Wieder einmal eine Premiere im Hagener Theater. Weltliteratur, Kulturgeschichte, Musikgeschichte. 1928 wurde die Dreigroschenoper von Bertold Brecht und Kurt Weill in nur ganz kurzer Zeit zum Welthit. Es war aber eigentlich keine Brecht-Idee, er griff auf eine 1728 aufgeführte gleichnamige Oper zurück. Als Gegenentwurf zu den aufkommenden Theatern die von den Fürsten gefördert wurden. Die sich mit ihrer Unterhaltung an die höfische Elite wandte. Es war eine Bettleroper, für Bettler gedacht. Bezahlbar für Bettler, mit ihrer Musik, die in den Straßen zu hören war.

Brecht zeigt das auf drastische Weise, ohne den Zeigefinger zu erheben, die Moralkeule zu schwingen. Sollen sich seine Zuschauer doch selbst ein Urteil bilden. Wer nicht ganz blind für die zeitgeschichtlichen Ereignisse der sogenannten „Goldenen 20er“ ist, erkannte dann auch die Probleme die skizziert wurden. Dramaturgin Dr. Maria Hilchenbach hat sich an die Ursprünglichkeit gehalten, an die Vorgaben die Brecht und Weill vorgelegt haben. Gingen es Brecht doch auch besonders um die Sprache. Die gewaltig war und ist, Szenen einleitet und unterstreicht. Nur kurz währte der Ruhm in Berlin. Dann die Machtergreifung. Brecht und Weill mussten sich dem Zugriff des Nazi-Regimes entziehen. Entartete Kunst. Dieser Stempel wurde den Werken Brechts aufgedrückt.
60 Jahre ist es her und nun kommt es wieder zur Aufführung, das Meisterwerk des Meisterliteraten. Die Musik, ursprünglich für eine 5-Mann-Kapelle geschrieben, die an 19 Instrumenten ihr Können präsentieren durften. In Hagen sind es immerhin 10 Musiker, einschließlich von Alexander Ruef, der aber nicht dazu kommt, den Dirigentenstab zu schwingen. Am Klavier und einem alten Harmonium spielt er kräftig mit, gibt die Einsätze durch Blickkontakt. Bei der konzertanten Besetzung für 19 Instrumente ist es geblieben. Das Stück lebt von der Vielfalt seiner musikalischen Farben, die stimmig entfaltet werden wollen.
Eigentlich ist das Stück von Kurt Weill für Schauspieler gedacht die singen können. In Hagen wird der praktischere Weg begangen. Hier gibt es ja ein hervorragendes Ensemble das diese schwere Herausforderung an die Gesangskunst meistern kann. Darauf setzt Regisseur Thomas Weber-Schallauer. Natürlich auch auf das Bühnenbild von Jan Bammes, der das Geschehen auf der Bühne wandelbar unterstützt, die verschiedenen Spielorte lebendig werden lässt. Die Bühne bekommt den Charakter einer Industriebrache, hier pulsiert das offene und versteckte Leben der Akteure.
Werner Hahn, Marilyn Bennett, Tanja Schun, Christian Hilger, Orlando Mason, Maria Klier, Robert Schartel, Evelyne Wehrens, Dirk Achille, Richard van Gemert, Firat Boris Ar, Krzysztof Jakubowski, Pawel Strotschilin, Wofgang Niggel, Soraya Almanza, Anja Frank-Engelhaupt, Verena Grammel, Gisela Ribbert, Britta Strege, Arletta Walczewski und Horst Fiehl werden dabei sein, wenn sich der Vorhang zur Premiere hebt.

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