Franz-Josef Möllenberg – spannende Veranstaltung im kleinen Rahmen

icon20136006002.pngKeine 20 Teilnehmer waren der Einladung des Veranstalterkreises DGB, VHS und Arbeit und Leben gefolgt, obwohl der Referent Franz-Josef Möllenberg als ehemaliger Hagener und jetziger aktueller Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) extra angereist war, um die Forderungen der Gewerkschaften zur Bundestagswahl 2013 vorzustellen. Möllenberg lies sich durch die geringe Teilnehmerzahl nicht beirren, sondern erläuterte in freier Rede die Auswirkungen prekärer Arbeit und die daraus notwendige Schlussfolgerung den Arbeitsmarkt wieder neu zu gestalten. Für ihn, der als erster deutscher Gewerkschaftschef bereits in den 90er Jahren den Mindestlohn einforderte ein dringendes Erfordernis. Möllenberg: „Wir brauchen gute und fair bezahlte Arbeit um das soziale Gefüge in Deutschland wieder herzustellen und wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn, um drohende Altersarmut zu verhindern.“ Dazu verwies er unter anderem auf die vorliegenden Berechnungen des DGB, die nachrechenbar belegen, dass die Aussetzung der Rente mit 67 Jahren ebenso möglich ist, wie die Sicherung der Renten auf dem heutigen Niveau. Mit Sorge schaute der NGG-Vorsitzende auf die Entwicklungen in Europa. Anhand anschaulicher Beispiele aus seinem Verantwortungsgebiet der Nahrungsmittelindustrie wies er nach, dass die Politik der Bundesregierung zu massiven Verwerfungen, zum Beispiel in der Tarifpolitik der südeuropäischen Länder führen und die so genannten Sparanstrengungen in ihrer Verkürzung die Probleme in der EU eher verschärfen als lösen helfen. Er forderte einen Politikwechsel ein, der nicht nur in Farbenspielen auszutragen sei, sondern eine andere an Anforderungen einer sozialen Marktwirtschaft ausgerichtete Orientierung finden müsse. Mit besonderem Nachdruck forderte er für Deutschland eine Steuerpolitik ein, die den Staat, die Länder und Kommunen wieder in die Lage bringen müsse, ihren Aufgaben für die Menschen und deren Lebensqualität einzulösen. Trotz der überschaubaren Anzahl der Besucher gab es eine interessante Diskussion, in der der Referent auch immer wieder anschauliche Beispiele aus seinen Erfahrungen aus seiner Heimatstadt einbrachte. So verwies er auf die speziellen Veränderungen seiner Gewerkschaft, die in der Vergangenheit vor allem durch die Arbeit in Betrieben wie „Marzipan-Grothe“, die Andreas Brauerei und „Brandt-Zwieback“ stark geprägt gewesen sei. „Betriebe“, so Möllenberg, „die es heute nicht mehr gibt und die deutlich auf die großen Veränderungen in den letzten Jahren hinweisen.“
 
Bisher haben in der Reihe „Gegen den Strom“ mehr als 90 Veranstaltungen stattgefunden. Bis zum Sommer wird noch zweimal eingeladen. Im Mai wird Dr. Cornelia Heintze zu den Sozialmodellen in Skandinavien und im Juni Raoul Didier, aus der DGB Abteilung Wirtschaft-, Finanz- und Steuerpolitik erwartet. Mit tiefer Trauer bedauern die Veranstalter den Tod des SPD-Politikers Ottmar Schreiner, der noch im Oktober des vergangenen Jahres in Hagen zu Gast war.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s